Rückkehr
Hallo liebe Blog-Leser,
Lange her, dass ich mich das letzte Mal gemeldet habe. Nach einer dann doch etwas anstrengenden Abschlussphase bin ich am 27.7. sicher in Berlin gelandet und wurde am Flughafen gleich von einer in Togo-Fußballtrikots gekleideten Familie empfangen.
Die ersten Tage hatte ich manchmal noch das Gefühl zwar körperlich, aber geistig noch nicht ganz angekommen zu sein. Bei der ersten Familien-Fotoshow habe ich auch gemerkt, was ich mir schon früher dachte: Das es viel zu erzählen gibt, aber es nicht leicht, nein eigentlich unmöglich sein wird, wirklich zu vermitteln, was ich gesehen, erlebt, gefühlt habe. Eine große Hilfe war Clara, denn sie hatte ja in den knapp zwei Wochen schon das ein oder andere mitbekommen und konnte so gewissermaßen für mich “übersetzen”. Auch waren da Dinge, die ich von mir aus nie erzählt hätte, weil sie mir schon so normal vorkamen, dass ich sie nicht für besonders interessant hielt. Clara und meine Fotoshow-Gäste sahen das zum Teil doch etwas anders…
Gute drei Wochen bin ich nun schon wieder hier und langsam treffe ich auch immer mehr meiner Leute, die vorher im Urlaub oder sonst unterwegs waren. Wenn ich sie so treffe und Fußballspielen, was trinken oder an den Strand gehe, kommt mir alles vor wie früher, wenn ich aber daran denke, was in der Zwischenzeit alles passiert ist, muss es wohl doch ne Weile her sein.:)
Ab Oktober werde ich in Berlin Politikwissenschaft studieren und bin zur Zeit noch auf Wohnungs- oder WG-Suche. Ende nächster Woche ist mein Abschlussseminar, wo ich mein gesamtes Freiwilligenjahr nocheinmal gemeinsam mit anderen Freiwilligen, die überall auf der Welt waren, reflektieren werde. Von meinen Erlebnissen dort und meinen Gedanken dazu werde ich euch danach (hoffentlich nicht zu lange danach) berichten.
Bis dahin und viele Grüße
Jonas, SFB
Gasteintrag vom Schwesterchen
hallo ihr lieben zu.hause.gebliebene – hier ist die clara, manchen besser bekannt als clärchen ;D
Man mag es kaum glauben, aber ich bin doch tatsächlich in Togo gelandet! Das gestaltete sich nämlich deutlich komplizierter als erwartet. Konnten Papa und ich am Montagmorgen das wunderschöne Wort “cancel” hinter meinem Flug lesen, fielen nach 9stündiger wartezeit in Berlin, die ich hauptsächlich in S-Bahnen und im Kino verbrachte, alle Computer am Flughafen aus. Das war nicht weiter schlimm, mit improvisierter Boardcard ging’s ab zur früh umgebuchten Airline. Zwischenstop Casablanca war .. naja die Hölle ist vielleicht übertrieben, aber zumindest ziemlich anstrengend. Da es mitten in der Nacht war und die Marrokaner offensichtlich nicht so auf Nachtschichten stehen, war das mit dem informieren garnicht so einfach. Abgebrochener Landeanflug in Lome wegen plözulich einsetzender Turbulenzen und als ich endlich endlich Togoischen Boden unter den Füßen hatte, stellte ich fest – wie hätte es auch anders sein können? – meine beiden Koffer, hauptsächlich mit Geschenken vollgestopft, waren in Casablanca oder sonstwo, jedenfalls nicht bei mir in Togo. …mittlerweile kann ichschon drüber lachen ;D
hier in togo ist am Flughafen zuerst der Präsident an uns vorbeigefahren huihuihui, es gibt hier gefühlt eine million motos, den roten teppich hatte ich am flughafen schon gesichtet
leider seh ich den Text, den ich gerade schreibe nicht, bitte deswegen inhaltliche oder rechtschreibfehler zu entschuldigen
wir waren gestern den ganzen tag in Lome unterwegs und der Tag kam mir wie fünf vor, weil es besonders auf den märkten einfach soo viel zu sehen gibt. Ich jab viel togoisches Essen probiert und meinem ,agen geht es noch gut
wenn ich glück habe, kommt das Gepäck heute Nacht hier an. Wir gehen jetzt, nach verschwitzter Nacht erstmal was leckeres frühstücken. Ich fühl mich richtig ausgeschlafen
und Jpnas hat sich den ganzen Morgen über das schnelle kostenlose wlan mit meinem Handy hier im Hotel gefreut. Man erkenn t ihn übrigens noch
Die Luft ist wirklich unangenehm feucht, gestern hat den ganzen Tag die sonne sonnenbrandmäßig geschienen, in der Nacht hats voll gewittert. Ich meld mich wieder, an sich geht’s mir sehr gut und Jonas auch, das ist der Teil der euch und vorallem Mama wohl am meisten interessieren dürfte (: schickste Togo.grüße von Clara und auch dem Jonas!
Voyage entre soeur et frère
Wieder ist einige Zeit vergangen. Noch fünf Wochen etwa und ich bin schon wieder zu Hause! Leider habe ich immer noch wenig über meinen Arbeitsalltag berichtet, was ich hoffentlich bald nachholen werde. Mein Projekt Envol ist seit dieser Woche offiziell in den Ferien und Caro und ich haben alle Kinder noch einmal in ihren Familien besucht, um ihnen kleine Geschenke zu geben, ein Abschiedsfoto zu machen und uns zu verabschieden. Auch im Alphabetisierungskurs haben wir den Frauen schon Lebewohl gesagt, da es unsere letzte gemeinsame Woche in Atakpamé ist. Es geht wirklich auf Ende zu…
Aus aktuellem Anlass aber nun zu einer weiteren Reise: Morgen werde ich nach Lomé fahren, um meine Schwester Clara vom Flughafen abzuholen. Elf Monate lang habe ich sie nicht gesehen und nun werden wir elf Tage lang durch Togo reisen. Ich freue mich schon sehr darauf. J Außerdem will ich versuchen, sie als Gastautorin für einen Blogeintrag über die Reise zu gewinnen, denn ihre Sicht auf Togo dürfte eine andere sein als meine und es ist sicher interessant zu sehen wie anders. Nun muss ich mich aber noch mit Reisevorbereitungen befassen und melde mich daher während wahrscheinlicher aber nach der Reise wieder.
Das letzte Viertel
In Lomé habe ich neulich das letzte Mal mein Visum verlängert. So neulich auch schon nicht mehr, Anfang Mai war das. Es geht auf Ende zu. Ist zwar noch ne Weile, aber trotzdem rückt es in Sichtweite. Langsam hab ich auch öfter mal das Gefühl, dass ich langsam schon lange genug hier bin und ich freu mich auch immer mehr auf zu Hause.
Aber erstmal gilt es ja jetzt noch die letzten Wochen zu genießen. Und ich habe euch noch nichts von meiner Reise in den Norden von Togo erzählt. Voilà:
Reise in den Norden Togos
In der letzten Märzwoche waren Schulferien, die auch gleich wieder für eine schöne Reise genutzt werden sollte. Ich wollte mit Anna und Lukas aus Kpalimé fahren und zwar diesmal im Postbus. Im Gegensatz zu den normalerweise üblichen Buschtaxis, genügen diese Art von Bussen sehr viel eher unseren westlichen Ansprüchen an Langstreckenreisen. Diese Busse fahren jeden Tag die ganze Strecke von Lomé bis Ouagadougo. Sie halten an jeder Post an der Strecke und transportieren glaube ich Pakete etc. im unteren Teil während im oberen Passagiere sitzen können. Sie sind klimatisiert und sehen echt genau wie unsere großen Fernreisebusse aus. Die Tickets sind kaum teurer als die für Buschtaxis und man es gibt feste Abfahrtszeiten (!), unglaublich oder? Nun könnte man sich fragen, warum dann überhaupt noch jemand die stickigen, langsamen, klapprigen und immer überfüllten Buschtaxis fährt. (Meist kriegt man dort nur einen halben Platz, denn wenn die Fahrer das Auto ordentlich vollpacken verdienen sie mehr.) Tja, die Plätze im Postbus sind begrenzt und daher muss man sich schon vorher um ein Ticket kümmern, was bei Buschtaxis nie so ist. Da kommst du an und wenn du Glück hast wartest du nur ne Stunde und es geht los, manchmal aber auch wesentlich mehr, bis vier etwa. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe jedenfalls keinen Platz mehr bekommen und durfte daher mit einem Bummelbuschtaxi nach Norden fahren. Wirklich, zum Teil hielt das Ding an einzelnen Rundlehmhüttengruppen und davon gibt es viele, die auch noch sehr verstreut sind. Schon klar, auch diese Leute wollen befördert werden, aber auf der langen Strecke alle paar Kilometer anzuhalten war ziemlich nervraubend.
Irgendwann kam ich dann jedenfalls in Kara an. Ein Freund aus Atakpamé hatte mir gesagt, ich könnte bei seinem Onkel dort übernachten, was wir diesem auch schon am Telefon angekündigt hatten. War schon eine Erfahrung zum ersten Mal in einer fremden Stadt in einer fremden Familie zu übernachten, aber auch interessant die Leute kennen zu lernen, zumal ich so kein Hotel bezahlen musste, ich war ja eh nur für eine Nacht auf der Durchreise. Als Gastgeschenk hatte ich ihnen zehn Avocados mitgebracht, die nämlich nicht im Norden wachsen und daher dort teurer sind als bei uns. Bei Onkel Masamaeso angekommen, gab es erstmal Wasser zu trinken und einen Stuhl für mich und Smalltalk mit dem Herrn des Hauses. Neben seinem Neffen kannte ich auch seinen Sohn, der in Atakpamé zur Schule geht und so hatten wir was zu reden. Seine Schweinezucht hatte er leider aufgeben müssen, da es wohl Probleme mit dem Grundbesitzer gäbe, eine neue in der Nähe seines Hauses sei aber in Planung. Dann gab es Fufu mit einer echt leckeren Soße. Im Anschluss schauten wir einen Film über den Überlebenskampf der Menschen im Sahel und der Sahara. Fand ich schon ganz passend, denn obwohl Kara nun auch nicht so weit nördlich ist, sieht schon alles deutlich trockener aus. Am nächsten Morgen verabschiedete und bedankte ich mich. Wirklich erstaunlich, diese Gastfreundschaft, die ich als Freund eines Neffen, aber nicht mal in dessen Begleitung bei ihnen genießen durfte.
Nördlich von Kara wurde die Landschaft erst richtig interessant. Die Karaberge sind echt schön und je weiter man nördlich kam, desto weniger Wasser, mehr ausgetrocknete Flussbetten, weniger Grün und mehr Sand und Staub gab es. Statt Mango- und Avocadobäumen, wurden andere Bäume, die seltsame rote Früchte trugen, zahlreicher. Ich habe den Namen dieser Früchte wieder vergessen, wahrscheinlich weil es dafür keinen französischen Namen gibt und der auf Ewe irgendwie schwer auszusprechen war. Aber ich hab sie mal gekostet: Sie haben eine rote, gerippte Schale. Bricht man sie auf, findet man drinnen einen dunklbraunen Kern, umhüllt von weißen, mundgerechten Stücken, die man essen kann. Sie schmecken ein bisschen wie eine Mischung aus roher Kartoffel und…ich glaube Äpfeln.
Am Abend traf ich die anderen in Dapaong, der Hauptstadt der Région Savanes, der nördlichsten, heißesten und trockensten Teil Togos. Wir wollten dort ein Unesco-Weltkulturerbe ansehen: Die alten Höhlen eines dort ansässigen Volkes. Ich freute mich Anna und Lukas nach einiger Zeit mal wiederzusehen. Sie hatten im Postbus die ganze Strecke an einem Tag bewältigt. Im Hotelrestaurant gab es leckere gegrillte Talapia (ein großer flacher Fisch) mit Knoblauchbratkartoffeln…mmmh!
Am nächsten Morgen sollte es zu den Höhlen von Nok gehen, etwa 25km von Dapaong entfernt. Wir wollten ganz schlau sein und mieteten kein Taxi, wie im Reiseführer empfohlen, sondern suchten uns ein Sammeltaxi, dass an diesem Tag zu einem Markt fahren und an den Höhlen vorbeikommen würde, um Geld zu sparen. Leider dauerte es eine ganze Weile, bis wir loskamen und die Sonne stieg höher. Nach einer Weile Fahrt durch ein trockenes Tal, eingefasst von canyonartigen Felsen, sagte unser Fahrer: So, da oben wollt ihr hin, viel Spaß. Und setzte uns raus. Wow, wir waren wirklich mitten in der Einöde. War irgendwie cool, aber kaum dass das Taxi weg war, beschlich uns schon eine unangenehme Frage. Wie sollen wir hier bloß wieder ein Taxi zurück finden? Die Sonne brannte vom Himmel, mittlerweile war es schon fast elf, der Wind bließ staubtrocken über die Ebene. Zwischen dem verdorrten Gras liefen manchmal ein paar Ziegen umher. Stechpalmen, Affenbrotbäume und sogar der ein oder andere Mangobaum standen vereinzelt und hier und da sah man Gruppen runder Lehmhütten.
Von einer ebendieser Lehmhüttengruppen kam uns auch gleich eine Gruppe Jugendlicher entgegen. Was sollten ein paar Weiße in dieser Gegend suchen, wenn nicht einen Fremdenführer zu den Höhlen? Nachdem wir uns auf einen halbwegs akzeptablen Preis geeinigt und geklärt hatten, dass wir nur einen einzigen Führer und nicht gleich ne ganze Schar haben wollten, ging es los. Die andern Jungs ließen sich aber nicht davon abhalten uns trotzdem zu folgen. Wir mussten den Canyon emporsteigen bis auf ein Plateau um dann von dort oben die Höhlen zu erreichen. Wie gesagt die Sonne brannte. Bald machten wir das erste Mal Rast, zum ausgiebigen Einkremen. Dann gings weiter, aber bald mussten wir wieder Pause machen und uns ausruhen und was trinken, denn der Anstieg war steil, der Wind trocken und die Bergseite lag voll in der Mittagssonne. Schatten gab es nur unter den vereinzelten größeren Bäumen, fast alles war Buschwerk. Bald schafften wir es gerade noch so 15 Minuten aufzusteigen bis wir die nächste Pause machen mussten. Schon jetzt wurde uns klar, dass wir zu wenig Wasser eingepackt hatten. Es waren viereinhalb Liter gewesen, doch Ruck-Zuck waren es nur noch drei, zweieinhalb. Unsere Begleiter, manche bestimmt erst zwölf oder so, trugen Badelatschen und manche noch ihre Schulbücher mit sich herum. Sie sahen aus als wären sie auch ohne eine einzige Pause bis hoch gekommen und sie tranken nicht einen Schluck Wasser, denn wir konnten ihnen wirklich nichts abgeben, da wir noch an den Abstieg und den Weg zurück denken mussten.
Als wir endlich das Plateau erreichten, war es eine Wohltat in der Horizontalen laufen zu können. Außerdem wehte hier ein angenehmerer Wind. Nach einer Biegung des Pfades um einen Felsen stießen wir…auf eine Straße! Hä? Waren wir nicht gerade in der Wildnis gewesen? Und nun lag hier vor uns eine neu aussehende, im Sonnenlicht blendend helle Betonstraße. An einem Schild stand, sie sei vor einem Jahr gebaut worden, um den Tourismus zu fördern. Auf ihr hätten wir bis direkt dorthin gelangen können, wenn wir ein Taxi gemietet hätten, unser Sammeltaxi allerdings fuhr natürlich nur auf der Strecke zwischen Dapaong und einigen Dörfern. Also folgten wir der Straße, es sich so noch leichter laufen. Interessanterweise schien man die Straße einfach einem Trampelpfad folgend angelegt zu haben, denn der kleine Pfad, dem wir bisher benutzt hatten, verlief etwa einen Meter links der Straße und parallel zu ihr.
Dann endlich kamen wir an dem Schild an, das das UNESCO-Kulturerbe der Grotten von Nok ankündigte. Normalerweise muss man dem Chef des auf dem Plateau gelegenen Dorfes noch einen kleinen Obolus zahlen und dann noch einen der Dorfjungs als Erklärer engagieren. Der Dorfchef war wohl grad nicht da, aber die Jungs sagten uns, der Eintrittspreis sei gestern erhöht worden – der Preis für eine Gruppe sollte jetzt für eine Einzelperson gelten. Gestern erhöht? Schwer zu glauben. Nach ausgiebigen Diskussionen und einer sorgsam eingeteilten Ration Trinkwasser ging es los. Eine moderne, steile, aber gut gesicherte Metalltreppe herunter – früher waren die Menschen wohl an Rankenpflanzen abgestiegen, die auch immer noch neben der Treppe wuchsen. Wir kamen auf einen bis zu drei Meter breiten Felsvorsprung, oft war er auch deutlich schmaler. In einer langen waagerechte Felsspalte waren durch Lehmwände „Räume“ und runde Vorratsbehälter entstanden. Hier versteckten die Bewohner dieser Gegend im Falle eines Angriffs ihre Frauen, Kinder und Nahrungsmittel. Das Vieh musste zurückgelassen werden und die Männer kämpften und zogen sich nur zum Ausruhen ebenfalls in die Höhlen zurück. Wochenlang hier leben zu müssen – kaum vorstellbar. Die vier-fünf Meter tiefe Felsspalte flachte nach hinten immer weiter ab, sodass man erst stehen, dann hocken, dann kriechen und am Ende nur noch liegen konnte, wenn man hineinging. Tatsächlich hatte man die Höhlen von oben nicht sehen können, denn sie waren unterhalb eines Felsüberhangs gebaut worden. Von unten sah man sie auch nicht, da einiges rankenartiges Gesträuch von den Felswänden vor dem Vorsprung hochwuchs und die Höhlen so gegen Blicke von unten abgeschirmt waren. Die Bewohner konnten so durch das Gestrüpp nach unten sehen, ohne selbst gesehen zu werden. Sogar eine Wasserversorgung gab es: Eine kleine Quelle entsprang im hinteren Teil der Felsspalte. Da aber gerade Trockenzeit war, sahen wir dort nur einen leicht feuchten Moosstreifen und die Linien, die das Wasser in den Fels gegraben hatte. Die Leute meinten, früher sei zu jeder Zeit Wasser geflossen, nicht nur in der Regenzeit, aber da die Bewohner heute die Traditionen nicht mehr aufrechterhielten, sei die Quelle teilweise versiegt. Mmmh…
Es war echt schön, der Ausblick, die raffiniert in den Fels gebauten Höhlen, der Schatten und die Tatsache, dass wir drei die einzigen Touris waren und mit ungefähr einem Dutzend Kindern und Jugendlichen aus dem Tal und vom Plateau die Grotten besichtigten. Das Problem mit dem Wasser hatten wir vorrübergehend verdrängt. Meine Fishermen’s Friend vertrieben den Durst ein bisschen. Da wir unseren Ortskundigen sagten, dass wir ein Wasserproblem hätten, nahmen wir zum Abstieg eine abenteuerliche Abkürzung. Nur soviel: Man musste durch ein kleines Felsloch kriechen und dann auf den Ästen eines unter einen Felsen geklemmten Baumes hinabklettern.
Endlich unten waren wir ziemlich am Ende. Nun hatten wir noch einen Liter Wasser, aber auch nur, weil wir die ganze Zeit viel zu wenig getrunken hatten. Die Jungs brachten uns welches aus ihrem Tank im Dorf und versicherten uns, da sei „Produit“ drin, also irgendein Mittel um Schädlinge abzuhalten. Das Wasser hatte die Farbe von Milchglas. Trotzdem füllten wir unsere leeren Flaschen damit und ich schmiss Wasserentkeimungstabletten rein. Wenn möglich wollten wir das nicht trinken müssen. So, wie nun zurückkommen? Das nächste Dorf, dass sogar eine Bar(!) habe, sei fünf Kilometer entfernt. Es lag schon am Talausgang, wo es Strom, damit auch Kühltruhen und damit auch kalte Getränke gab.
Es war 16 Uhr, aber immer noch so ne Hitze! Der Wind war hier unten wieder heiß, als würde man sich ganzkörperföhnen. Wir versuchten es – und hatten Glück. Nach etwa einem Kilometer kam ein Mann auf seinem Motorrad vorbeigefahren, den wir anhielten. Er war bereit uns für einen ordentlichen Notlagenzuschlag und ein Bier in der nächsten Bar alle drei bis zur Straße zu fahren. Zu viert auf nem Motorrad ganz hinten zu sitzen ist anstrengend sag ich euch, aber wesentlich angenehmer als durstend durch die Nachmittagshitze zu wandern.
Da waren wir. Asphalt, Zivilisation! Die kalte Cola in der Bar an der Straße, war die beste an die ich mich in meinem bisherigen Leben erinnern kann. Ich glaube ich hatte noch nie solchen Durst gehabt.. Hinterher noch einige kalte Trinkwasserbeutelchen und es ging uns wieder gut.
Nun mussten wir an der Straße noch ein Taxi für die Rückfahrt finden. Fanden wir nicht, dafür einen LKW-Fahrer, der uns, nein nicht wie hier sonst üblich auf der Ladefläche, sondern im Führerhaus mitnehmen wollte. Er hatte weißichwieviele Tonnen Reis geladen, fuhr von Lomé nach Ouagadougo, hieß Ahmed und war echt nett. Zwar ging es wegen schwerer Ladung, altem Riesen-LKW und den Schlaglöchern vielleicht mit 15 Kilometer pro Stunde voran, sodass uns manchmal sogar Fahrradfahrer überholten, aber egal Hauptsache ins Hotel.
Abends hatte ich nen Sonnenstich und dann ging es mit Bauchschmerzen und üblem Durchfall los. Na toll. Ein bisschen hatte ich das schon seit ner Weile gehabt, aber ich glaube durch den anstrengenden Tag ist es erst richtig ausgebrochen. So mussten wir einen Tag länger in Dapaong bleiben, damit ich mich untersuchen lassen und mich dann ausruhen konnte.
Immer noch nicht ganz genesen ging es nach Kandé weiter im Süden.
Die Tests im Krankenhaus hatten ergeben, dass sich bei mir Amöben eingenistet hatten und dann auch noch ne Art Hefe-Kultur in meinem Verdauungstrakt seinen Platz gefunden hatte. Mir selbst ging es aber mit Hilfe der Behandlung schon wieder ein wenig besser.
Nach einer erneuten Bummelbuschtaxifahrt in Kandé angekommen war der Tag auch schon wieder rum. Am nächsten Morgen holten uns unsere Moto-Taxis ab, um in den Koutammakou Nationalpark zu fahren. Dort lebt das Volk der Tamberma („Baumeister“), deren Häuser, die Tatas nach einer bestimmten Art gebaut sind. Es sind Lehmhäuser, aber sie sind dennoch zweistöckig.
Und so oder so ähnlich sind die Hütten aufgebaut: Unten ist ein recht großer Eingang, man kann die Hütten aufrecht betreten. Hier unten ist es dunkel und nicht sehr wohnlich. Die untere Etage dient so auch eher als Hühnerstall oder Werkzeuglager. Über ein paar Stufen kommt man auf einen leicht erhöhten, kleinen Innenhof. Hier, unter freiem Himmel, ist oft die Küche untergebracht. Über eine traditionelle Tamberma-Leiter geht es auf die Dachterasse. Solche Leitern bestehen aus einem Y-förmigen Baumstamm in den kleine Stufenkerben geschnitten sind. Die Dachterasse besteht aus festgestampftem Lehm und ist in mehrere Stufen unterteilt. Der Boden ist immer leicht geneigt, sodass das Wasser bei Regen von einer zur nächsten Stufe ablaufen kann. Die niedrigste Stufe besitzt einen kleinen Ablauf. Hier kann man auch duschen. Dazu gibt es eine Tonne mit Regenwasser und eine Kalebasse zum Schöpfen. Die Terasse ist von einer Lehmmauer umgeben und es gibt zwei Silos, die wie kleine Türme über die Terasse hinausragen. Dort wird Getreide gelagert, nachdem man es auf den Terassen in der Sonne hat trocknen lassen. In der Mitte der Terasse befindet sich die Schlafstätte. Ein niedriges, enges Lehmiglu mit einer winzigen Öffnung. Die Öffnung ist so klein, dass man sie nur auf dem Bauch liegend mit den Füßen voran betreten, nein bekriechen kann. Sollte ein Feind so weit gekommen sein, konnte man ihn immer noch dem kleinen Türloch mit Pfeilen beschießen. Insgesamt diente diese Bauweise vor allem zum Schutz vor feindlichen Stämmen und später auch vor deutschen Kolonialisten.
Auch hier war es schön durch die weite und trockene Landschaft zu fahren. Die Tamberma leben tatsächlich noch in diesen Hütten und setzen, wenn Touristen nahen schnell ihre Hüte mit Kuhhörnern auf, die an Wikingerhelme erinnen. Sie leben in erster Linie von den Touristen, bauen aber auch wie andere Dorfbewohner Yams usw. an. Im Gegensatz zu den Nok-Höhlen weiter im Norden war es hier schon anstrengender sich gegen das bitten um Extrageld (neben der hohen Eintrittsgebühr) und die vielen zum Verkauf angebotenden Dinge zu wehren. Und selbst als ich etwas kaufen wollte, war das Feilschen im Stimmengewirr und „S’il te plaît, Monsieur“ ziemlich anstrengend. Ein interessanter, aber auch anstrengender Ort, an dem ich mir das ein oder andere mal einen Tarnumhang gewünscht hätte.
Da ich mich immer noch nicht gut fühlte und auch die anderen ein wenig kränkelten, machten wir an der nächsten Etappe unserer Reise, Kara, nichts als im Hotelzimmer auszuruhen und abends lecker Pizza essen zu gehen. Am nächsten Tag ging es zurück nach Atakpamé. Endlich konnte ich gesund werden.
Neue alte Fotos
Hallo ihr,
Hier gibt es noch ein paar Fotos, die schon lange in meiner Mediathek schlummern, aber noch nicht an die Öffentlichkeit gelangt waren. Das ändert sich nun, guckt sie euch an und denkt daran, dass sie zum Teil noch aus der Anfangszeit sind. Falls ich z.B. auf einem noch nen Verband haben sollte oder so: Keine Sorge, das ist passé und mir gehts gut.
Schaut, wenn ihr Lust habt auch nochmal die Ghana-Artikel an, da gibts jetzt auch endlich Fotos.
Viel Spasss!
6-Monatsbericht
Hallo liebe Blogleser,
Nachdem zu Recht beanstandet wurde, dass ich zu wenig über meine eigentliche Projektarbeit und den Alltag in Atakpamé schriebe habe ich hier meinen Halbjahresbericht an den ICJA kopiert und werde mich mangels Lust und Energie alles nochmal neu zu formulieren einfach selbst zitieren:“
LEITFRAGEN FÜR DEN BERICHT NACH 6 MONATEN:
- Wie hast du dich in deinem Projekt eingelebt und entwickelt? Hast du
das Gefühl, deine Fähigkeiten im Projekt sinnvoll einbringen zu können
und viel dazu zu lernen? Wie ist die Betreuung durch und die
Zusammenarbeit mit deinem Ansprechpartner im Projekt?
„Das Projekt hat seit meiner Ankunft dort Finanzierungsprobleme. Durch diese entstehen viele weitere Probleme, die das Arbeiten dort erschweren.
Zuerst einmal mangelt es an Geld, um die Anfahrtskosten der meisten Schüler zu bezahlen, denn die Eltern können oder wollen dies nicht übernehmen. So kommen jeden Tag vier bis fünf, manchmal auch sechs Schüler zur Schule. Ein weiterer Grund für diese geringe Schülerzahl ist nach Aussagen der Lehrer auch, dass behinderte Kinder in diesem Teil Togos wohl oft als Fetische angesehen werden, zu Hause bleiben und nicht zur Schule geschickt werden.
Außerdem werden zumindest die beiden Lehrerinnen gar nicht mehr bezahlt, der Direktor hingegen bekommt nach wie vor Gehalt, soweit ich weiß.
Die geringe Schülerzahl, besonders gegenüber drei Lehrern und zwei Volontären und die mangelnde Bezahlung, sind für die Lehrer Gründe, weshalb sie generell nicht motiviert sind zu arbeiten. So kommt es häufig vor, dass sie im Klassenraum sitzen, dort aber schlafen oder miteinander auf Ewe reden und kein Unterricht stattfindet. Der Direktor widmet sich Aufgaben in seinem Büro oder beteiligt sich an den Diskussionen. Nun ist es für uns Freiwillige sehr schwierig den Unterricht komplett allein zu gestalten, denn unsere Ewekenntnisse sind immer noch sehr begrenzt und auch an Autorität mangelt es uns. Auf unser Bitten hin haben die Lehrer nun schon zweimal versprochen, trotz allem „ein Minimum“ zu tun, was auch meistens ein paar Wochen nach einem Krisengespräch eingehalten wurde, zuletzt Mitte Januar. Zumindest letzte Woche war es aber wieder wie früher schon manchmal, dass an vier von fünf Tagen überhaupt kein Unterricht abgehalten wurde.
Was ich in meinem Projekt bisher vor allem gelernt habe, ist Geduld. Wenn die Lehrer mit den Kindern arbeiten, reden und erklären sie oft auf Ewe. Auch kann ich mich nicht in alles einbringen, ich versuche es, so gut es geht, ansonsten schaue ich zu und warte. Warte bis ich eine Gelegenheit sehe zu helfen und mich einzubringen. Arbeite ich allein mit den Kindern, brauche ich zunächst viel Geduld, um ihnen auf Französisch, einigen Brocken Ewe und mit Zeichensprache zu erklären und manchmal immer wieder zu erklären, was wir machen wollen. Nach einer gewissen Arbeitszeit haben die Kinder oft auch schon genug und wollen sich erst einmal ausruhen oder etwas spielen, es geht also eher langsam voran. Auch fehlen mir manchmal Ideen, was ich noch mit den Kindern verschiedener Lernniveaus machen könnte, die ihnen Spaß machen, damit sie motiviert sind, die sie verstehen und die ich auch erklären kann.
Gelernt habe ich auch mit den eher ungünstigen Umständen des Projekts umzugehen und trotz der manchmal schlechten Stimmung um mich herum nett und verständnisvoll mit den Kindern umzugehen. Auch musste ich, wie wahrscheinlich viele, meine Erwartungen an das, was ich für das Projekt wirklich leisten kann und wie oft und intensiv ich mich einbringen kann, heruntersetzen. Trotz allem denke ich auch, dass ich schon gelernt habe, mit behinderten Kindern umzugehen. Früher war ich im Umgang mit geistig behinderten Menschen immer ein wenig unsicher. Bei aller Toleranz und gutem Bemühen wusste ich nicht so recht, wie ich mich ihnen gegenüber verhalten soll. Zumindest den Kindern im Projekt gegenüber ist diese Unsicherheit verschwunden, der Umgang mit ihnen ist zur Routine geworden und ihre Eigenarten oft genug anstrengend aber auch auf eine Art liebenswert. Ich denke ich könnte mich nun auch sehr schnell an anderer Stelle mit geistig behinderten Kindern einarbeiten und kann auch behinderten Menschen im Alltag anders begegnen.
Die Zusammenarbeit mit den Lehren ist vorhanden, wenn denn offizieller Unterricht gemacht wird. Sie ist nicht sehr tiefgreifend und auch nicht besonders herzlich, aber immerhin sind einige Bemühungen zu erkennen.
Von Betreuung durch die Verantwortlichen in unserem Projekt Envol Atakpamé kann kaum die Rede sein. Es ist meistens ein Ausprobieren unsererseits, wobei uns die Lehrer dann ab und an ermahnen, wenn ihnen etwas missfällt. Wenn wir etwas erklärt haben wollen, sei es zu den Umständen und Problemen des Projekts oder Fragen zum Unterricht, müssen wir meist nachfragen, dass die Lehrer dies von sich aus tun, geschieht selten. So ist es auch, wenn die Lehrer zu Unterrichtsbeginn noch in Gespräche vertieft sind. Uns wird nicht gesagt, „fangt schon mal an, wir reden noch ein wenig“ oder „heute könnt ihr den Unterricht allein gestalten“ sondern wir müssen abwarten und gegebenenfalls nachfragen oder einfach selbst anfangen.
Mut macht mir, dass ich mich zunehmend in einem von unseren Vorgängerinnen auf die Beine gestellten Alphabetisierungskurs für erwachsene Frauen einbringen kann. Es macht mir Spaß, den Frauen etwas zu erklären und mit ihnen zu Üben und oft genug habe ich das Gefühl dort mehr bewirken zu können, als in meinem eigentlichen Projekt.“
- Wie siehst du dich und deine Rolle nach einem halben Jahr im Projekt?
Hast du dir für die nächste Hälfte Ziele im Projekt gesetzt?
„Ich sehe mich selbst schon am richtigen Ort, aber unter ungünstigen Umständen um dort ein Volontariat abzuleisten. Oft genug sehe ich mich verpflichtet wenigstens ein bisschen Unterricht zu bieten und zum Teil scheint es mir auch, dass unsere Präsens im Projekt die Lehrer hin und wieder daran erinnert, dass man auch unter den gegebenen Umständen Unterricht geben kann.
Leider muss ich sagen, dass eins meiner Ziele ist, durchzuhalten. Die Geduld und Motivation aufzubringen, trotz ungünstiger Umstände und nicht viel Unterstützung durch die Lehrer das bestmögliche daraus zu machen. Das Projekt habe ich auch deshalb noch nicht gewechselt, weil der Unterricht nur vormittags stattfindet und ich am Nachmittag viele andere Aktivitäten zum Ausgleich habe. Ein Projektwechsel würde auch bedeuten, dass ich sowohl die Gastfamilie als auch die Stadt wechseln müsste.“
- Fühlst du dich wohl in deiner Gastsituation? Hast du Freunde gefunden?
Hast du schon einen „Alltag“?
„In meiner Gastfamilie fühle ich mich sehr wohl. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Unterbringung und verstehe mich gut mit der Familie. Ich vertraue den Familienmitgliedern, freue mich nach einer Wochenendreise wieder in meinem zweiten zu Hause zu sein, mache Hausaufgaben mit den Kindern und helfe mit meiner Mitbewohnerin ein wenig, die anfallende Hausarbeit zu erledigen. Über Probleme kann ich mit meinem Gastvater offen reden und auf seine Bemühungen zählen, mir oder uns zu helfen.
Freunde habe ich mittlerweile schon einige gefunden, auch solche mit denen ich mich wirklich regelmäßig treffe und die nicht nur flüchtige Bekanntschaften sind. Neben anderen Volontären, mit denen man schnell in Kontakt kommt, hat es mir sehr geholfen, dass ich viel in der Stadt unterwegs bin und auch mit einer Trommeltanzgruppe trainiere, um mich auch mit mehr und mehr Togoern anzufreunden. Freundschaften lassen sich sehr gut auf etwas aufbauen, das man gemeinsam hat. Das Tanzen ist so etwas und die Verbindungen werden durch gemeinsame Vorbereitungen, Auftritte und andere Unternehmungen in der Gruppe gefestigt. Weiterhin bin ich froh, dass uns Volontären von einem Pfarrer der Norddeutschen Mission die Möglichkeit geboten wird, an einem Seminar zu gewaltfreier Kommunikation zusammen mit seinen togoischen Theologiestudenten teilzunehmen. Zusammen zu lernen und nachzudenken eröffnet eine weitere Ebene der Integration und des Kennenlernens der anderen Kultur, zumal es in dem Seminar auch um genau solche Kulturunterschiede und den Umgang damit geht.
Ich habe einen Alltag in hier in Atakpamé, der neben der vormittäglichen Arbeit im Projekt den Alphabetisierungskurs an zwei Nachmittagen, das Seminar mit den Theologiestudenten, den Trommeltanz und auch andere sportliche Aktivitäten umfasst. Auch mit der Familie lebe ich das alltägliche Leben, fühle mich schon als Teil von ihr, wenn ich auch weiß, dass es nur für eine begrenzte Zeit ist.“
- Was für Herausforderungen gab/gibt es? Wie hast du diese bewältigt?
Was sind deine kleinen „Erfolge“? Was möchtest du ändern?
„Herausforderungen bestehen darin Freundschaften trotz oft großer Unterschiede in Sichtweisen, Bildung und natürlich an finanziellen Mitteln aufrecht zu halten. Unternehmungen mit Freunden zu machen, sie ab und an einzuladen, ohne sich ausnutzen zu lassen aber auch deutlich zu machen, wenn man es nicht will. Schwer kann es auch sein, klar zu machen, dass man an einem Tag keine Lust oder Zeit hat sich lange mit jemandem zu unterhalten oder ihn zu treffen, ohne dass er sich beleidigt fühlt.
Zeit mit der Familie zu verbringen ist bei vielen Aktivitäten in der Wochen und häufigen Reisen oder Ausflügen am Wochenende auch nicht immer leicht. Ich nehme mir vor im zweiten Halbjahr auch mal mit der Familie auszugehen oder einen Ausflug zu machen und auch den kleinen Deutschkurs, um den mich einige Familienmitglieder gebeten haben wieder aufzunehmen.
Auf der Arbeit ist es jedes Mal eine Herausforderung für mich, mit Kollegen bzw. Vorgesetzten umzugehen, die kaum motiviert sind und wenig Anleitung oder Rückmeldung geben.
Ich denke ich habe mich schon darin verbessert Probleme zwar offen anzusprechen, aber so, dass sich derjenige, den sie betreffen nicht angegriffen fühlt und versteht, warum die Situation ein Problem für mich darstellt. Trotzdem muss ich noch weiter daran arbeiten, auch deutlich zu sein und in einer fremden Sprache klar und höflich zu sagen, was mich stört.“
- Wie hat sich deine Wahrnehmung bezüglich des Gastlandes seit deinem
ersten Bericht geändert? Was hättest du im Rückblick anders formuliert
oder was verstehst du im Nachhinein besser oder anders?
„Ich habe seit meinem letzten Bericht noch mehr verschiedene Menschen, ihre Sichtweisen auf ihr und auf mein Land kennengelernt und kann immer seltener von „den Togoern“ sprechen. Es gibt zum Teil junge Menschen mit viel Motivation und Ideen ihrem Land zu helfen, aber auch genug Gründe, dass ebenfalls viele gut ausgebildete Leute in die Industrienationen auswandern wollen. Im Nachbarland Ghana, sah ich deutlich, wie unterschiedlich verschiedene Länder Westafrikas sein können, aber auch wie groß die Unterschiede selbst in verschiedenen Regionen eines einzigen Landes sind. Einige Gespräche mit Menschen von hier haben mich in meinem Wunsch bekräftigt, mich auch in meinem Studium und danach mit gewissen wirtschaftliche Verbindungen der Industrienationen und deren Gerechtigkeit und Nutzen oder Schaden für Togo und andere sich entwickelnde Länder zu beschäftigen.
Insgesamt hat sich zumindest seit meinem letzten Bericht nach drei Monaten meine Wahrnehmung nicht grundlegend geändert, doch ich habe mehr erfahren und kann jetzt Land, Leute und Probleme etwas besser verstehen.
Fazit
Alles in allem muss ich sagen, dass ich davon abrate, das Projekt Envol Atakpamé zumindest unter den jetzigen Umständen weiterhin mit Freiwilligen zu besetzen, zumal die Lehrer bei unserer Ankunft auch sagten, dass sie nach wohl weniger guten Erfahrungen mit den letzten Volontären eigentlich keine neuen mehr wollten, aber wir schon da waren, bevor sie etwas dagegen sagen konnten. Zwar hat sich das Verhältnis meiner Meinung nach ein wenig gebessert, aber eher auf der persönlichen Ebene, viel Wille zur Kooperation bei der Arbeit scheint es nicht zu geben. Hingegen denke ich, dass die Stadt Atakpamé ein guter Ort für ein Freiwilligenjahr ist, da sie viele Möglichkeiten bietet am gesellschaftlichen Leben in Togo teilzuhaben und auch um sich in zusätzlichen Projekten zu engagieren. Zudem sehe ich es als positiv an, dass nicht so viele Freiwillige hier sind wie etwa in Kpalimé und man automatisch mehr Freundschaften mit Einheimischen schließt.
Ich finde, es sollte nachfolgenden Freiwilligen auf jeden Fall möglich sein, die Zwischen- und Abschlussberichte von ehemaligen Freiwilligen, die damit einverstanden sind zu lesen, bevor sie sich für ein Projekt entscheiden, da die Projektbeschreibungen der Organisation mir nicht die Realität wiederzugeben scheinen. So bestünde für sie die Möglichkeit verschiedene Stimmen zu Projekt und Stadt zu hören und diese in ihre Auswahl mit einzubeziehen.”
Ghana III
Ho
Die einige der letzten Tage unserer Reise verbrachten wir in Ho bei Fabian, einem Freiwilligen von der Norddeutschen Mission. Bei unserer Ankunft erzählte er uns erstmal vom Einbruch in sein Haus. Er war nämlich selbst im Urlaub gewesen und vielleicht zwei Tage vor uns wieder angekommen und da stand seine Haustür offen. Geklaut wurde der Laptop seines Mitbewohners und Geld von ihm selbst, seinen Laptop selbst haben sie immerhin nicht gefunden. Ich stell mir so vor, wie es sein muss nach einer langen Reise wieder nach Hause zu kommen, sich auf sein Zimmer zu freuen, nur um dann festzustellen, dass da jemand eingebrochen ist! Zum Glück ist bei mir in Atakpamé ja die Familie zu Hause.
Fabian wohnt in einem Haus der Mission, einem einstöckigen Haus, das riesig scheint, wenn man drinnen ist, weil es so viele Zimmer und einen langen Flur hat. Trotzdem hat es mit seiner verglasten Veranda zum Grünen hin auch irgendwie den Charme eines kleinen Ferienhauses irgendwo in Deutschland. Diesen Ferienhauscharakter haben wir denn auch ausgiebig genutzt und uns erstmal vier volle Tage nur von unserer vorher recht ereignisreichen Reise und besonders vom letzten siebenstündigen Höllenritt erholt. Wir haben also schonmal Urlaub vom Urlaub gemacht und irgendwo auch Urlaub von Afrika, denn die Wohnung war echt normal europäisch eingerichtet mit Gasherd, Duschwasser von oben, Kühlschrank… So schliefen wir lange, lasen unterm Ventilator in den Zeitschriften und Büchern die sich von deutschen Freiwilligen seit zehn Jahren angesammelt hatten, kauften im Supermarkt Cornflakes und machten uns zum Frühstück auf dem Herd Rührei und Baked Beans. Abends gingen wir dann noch manchmal mit den anderen Freiwilligen aus Ho weg.
Am letzten Wochenende ging es dann noch nach Hohogwe und von dort zu den Wli-Wasserfällen. Unser Guide ist ziemlich jung und lernt wohl gerade Elektriker. Sein richtiger Name ist Wisdom (Wissen), aber alle nennen ihn Mighty (mächtig). J
So überraschend ist das aber gar nicht, denn auf unserer Reise sind uns auch noch begegnet:
„Hi, ich bin Niceone“ (Ein Netter)
„Hallo, ich heiße Myjoy“ (Meine Freude)
„Hey, I’m Theone.“ -> Ich: „The one who…?“ -> “No, no, no, that’s my name!”
Oder “I’m Innocent.” (Ich bin Unschuldig.) -> „Glaub ich dir nicht!“
Diese Arten von Namen kommen wohl durch Übersetzungen der Ewe- oder Ashanti- oder was auch immer Namen ins Englische zustande. In Togo gibt’s zum Beispiel auch Enyonam als Namen, „gib das Gute“ oder Akpemawo, „Gott sei Dank“. Weitere Bespiele aus Togo sind Bienvenue oder der Gastbruder einer Freundin, Magloire („meine Freude“).
Aber zurück zu unserem Freund Mighty-Wisdom. Ein ziemlich komischer Kautz, der Gute. Auf dem Weg zum Wasserfall erzählte er uns Geschichten von seiner Elektrikerschule, seiner Oma und so weiter. Auf dem Rückweg sang er dann mit uns:
6TH OF MARCH
NINTEENSIXTYSEVEN
GHAAAAAANAAA
INDEPENDENCE DAY!
Durch dieses Lied werd ich mir jetzt immer den Unabhängigkeitstag merken. J Dazu kamen noch ein paar Marschlieder (zumindest sang er sie so) wovon es in einem hieß: „I wanna die for Ghanaaaaaaaa!“ Keine Ahnung, ob er sich das alles ausgedacht hat oder wie auch immer, jedenfalls ein echt lustiger Typ.
Aber zum eigentlichen Ziel, dem Wasserfall. Fünfzig Meter hoch ragte die Felswand vor uns auf. Sie hatte einen leichten Überhang und überall hingen Fledermäuse, Fledermäuse und noch mehr Fledermäuse. Das Wasser fiel den ganzen Weg in einem Sprühnebel herunter, dabei war das nur die erste Stufe des ganzen Falles. Natürlich wollten wir, geschwitzt wie wir waren auch baden, doch brrrr wie kalt! Wirklich, das Wasser war so eisekalt, dass es schon wehtat, kälter als alles Wasser hier außer vielleicht Purewater aus der Gefreirtruhe. Und wenn man sich auf das herabstürzende Wasser zubewegte bekam man mehr und mehr den Wind, den es erzeugte und auch den Sprühnebel, den er mitriss zu spüren. Tatsächlich fühlte es sich für mich an, als habe jemand in der Felswand ein Tor zu einem Herbstregentag an der Nordseeküste geöffnet. Brr, aber irgendwie war es auch fetzig, sich unter den Wasserfall zu stellen und ein bisschen zu zittern. Da Trockenzeit war, konnte man das auch tun, ich denke in der Regenzeit würde das wohl kaum gehen.
Der letzte Morgen unserer Reise brach an und schwuppdiwup waren wir von Hohogwe auch schon wieder in Togo, es ist wirklich ein Katzensprung. Der Grenzpostenmann wollte zwar noch, dass Anna zu ihm in seinen Grenzposten zieht, aber irgendwie schafften wir es gemeinsam sie da rauszureden und konnten weiter. An der Grenze gab es übrigens Rassentrennung: Alle Weißen mussten stehenbleiben und Ausweise und Visa vorzeigen, während alle anderen durchgehen durften. Hätten ja auch ein paar schwarze Europäer oder Amerikaner dabei sein können, aber ich glaube bei uns werden Leute mit dunkler Hautfarbe auch eher verdächtigt oder kontrolliert. Ein schwarzer Kanadier in Kumasi erzählte mir zum Beispiel, dass er Deutschland nicht möge, denn als er da war hätten ihn die Polizisten ständig kontrolliert. Mmmh…
Atakpamé
Mittlerweile ist seit der Reise wieder einige Zeit vergangen, über die es auch ein bisschen was zu berichten gibt. Bald, und zwar ziemlich bald, denn Ende März sind ja wieder Ferien und es geht vielleicht nochmal reisen, aber wohl nicht nach Benin, dann da sind ja grad Wahlen…
Fortsetzung Ghanareise
Und hier die Fortsetzung:
…Tja, war ja ganz schön gewesen soweit, so mit dem grün gekleideten und mit nem Gewehr bewaffneten Ranger querfeldein zu laufen, mal über nen Baumstamm zu spazieren und dann eben den oben erwähnten Tieren zu begegnen, wobei ich übrigens noch Warzenschweine vergessen hab (von uns auch liebevoll „Pumbas“ genannt). Wie gesagt, ganz schön, aber diese leise Enttäuschung, dass wir keinen großen grauen Dickhäuter zu Gesicht bekommen hatten, ließ sich nicht ganz unterdrücken.
Die Motogang, also Mario und Gabriel mit Fabia machte sich dann auch schon wieder auf den Weg und verschwanden in einer Staubwolke auf der knochentrockenen Straße. Blieben Anna und ich – und die Freiwilligen aus Accra waren auch noch da, übernachteten allerdings direkt in Zimmern im Park. Zuerst überlegten wir schon, uns die Fahrräder zu schnappen und wieder nach Hause zu fahren, aber dann entschieden wir doch noch in den Pool zu gehen. Der Pool und die Tische des Restaurants lagen auf einer großen Felsterasse mit super Blick über die weite Ebene. Als wir dort ankommen sagte ich noch: „Jetzt fehlt nur noch der Elefant, für ein perfektes Afrika-Bild.“
Dann schwammen und plantschten wir erstmal ne ganze Weile im Pool herum. Von dort aus sah man übrigens nicht über die Ebene und so fiel mir auf einmal ein: „Ey, wir müssen immer mal gucken, sonst kommt der Elefant noch und wir sehen ihn nicht!“ Ja, also stützte ich mich so auf den Beckenrand und schaute in die Ebene. Und, was war da? Genau.
„Mmmh, sicher.“ „Alles klar.“ „Erzähl mal noch einen!“
„Leute, echt alter!“
„Also wenn da jetzt nicht echt einer ist, gibt’s Ärger!“
Tja, dass ich Recht hatte sahen sie dann. Ich konnte es selber gar nich fassen, aber dort unten auf der Ebene lief ganz gemütlich ein Elefant entlang. Die Leute an den Tischen ringsum kriegten das dann nach ner Weile auch mal mit und schwuppdiwupp kamen alle mit ihren Feldstechern angerannt. Ich war froh, dass ich mit Kontaktlinsen ins Wasser gegangen war, sag ich euch. Nach ner Weile meinte einer der Guides, dass er noch ne extra Tour machen würde und so trockneten wir uns schnell ab, zogen mehr oder weniger buschtaugliche Sachen an und los gings, diesmal ohne konkurrierende Autos mit Motorenlärm und andere Gruppen. Nur wir zirka sieben und der Ranger.
Selbst auf dem Weg sahen wir jetzt schon mehr Tiere, unter anderem ein Kroko dass grad gähnte oder aus irgend nem anderen Grund sein Maul offen stehen hatte, es bei unserer Ankunft aber schleunigst zuklappte und ins Wasser spechte. Ich ging direkt hinter dem Guide und sah dann auch zwischen den braunen Baumstämmen vier dicke graue, aber der Mann bedeutete uns umzudrehen, um uns von der anderen Seite an ihn heranzupirschen.
Und da war er: Groß, dick, faltig, große Ohren, kleine Augen, langer faltiger Rüssel, ein abgebrochener Stoßzahn und Pinselschwanz. In den Ohren waren ein paar Löcher und sie waren etwas ausgefranst, was wohl daher kommt, wenn er damit in den Bäumen hängenbleibt. Der abgebrochene Stoßzahn war übrigens der, der meistens zum kämpfen benutzt wird, der jeweils andere ist eher zum arbeiten, also Baumstämme aus dem Weg räumen oder so was da. Ich glaube der abgebrochene war rechts, sehen wir dann bald auf dem Foto.
Es war übrigens ganz klar ein Männchen, zwischenzeitlich etwa 1,50m-deutlich zu erkennen.
So standen wir da, erst waren alle zu erstaunt, um irgendwas zu machen, dann nach und nach, als klar war, dass er ne Weile da bleiben wurde fingen alle an zu fotografieren und filmen und so. Der Gute ließ sich davon keinesfalls stören, sondern fraß, trank und duschte nach Elefantenart und ließ noch einige riesige Fladen fallen. Es war aber auch echt ein bisschen Nervenkitzel, denn der Riese stand vielleicht zehn, fünfzehn Meter von uns weg und einmal knickte er das Bein so ein, als wollte er gleich los. Unser Ranger allerdings sagte, wir sollten uns doch hinsetzen und ihn in aller Ruhe betrachten. Er stand noch ein bisschen rum, wiederholte einige der genannten Aktivitäten und dann trottete er gemächlich durch die Büsche und Bäume davon.
WOW, was für ein Erlebnis. Es war übrigens der 31. Dezember, das heißt ab jetzt werde ich die Geschichte jedes Jahr Silvester zum besten geben („same procedure“), bis ich alt und grau bin und dabei jedes Jahr was dazudichten, bis ich den Elefanten irgendwann mit bloßen Händen vor einem Rudel Löwen und einer Bande schießwütiger Wilderer gerettet haben werde, aber das kann noch ein paar Jahre dauern.
Die Silvesterparty selbst war dann übrigens nicht grade das größte. Anna und ich fuhren zurück nach Larabanga, wo mittlerweile noch ein Holländisches Ehepaar und ein deutscher Deutschland-Zivi im Urlaub eingetroffen waren. Zum Abendbrot gab es Fufu mit Ziegenfleisch (glaube ich) und dann tranken wir alle gemeinsam ein paar Bier. Selbst die zu bekommen, war in dem muslimischen Dorf schon ziemlich schwer, glaube ich, denn der eine der (auch muslimischen) Brüder, die das Hotel betreiben, fuhr mit dem Fahrrad los und brauchte ne ganze Weile. Sekt? Pustekuchen. Der Holländer konnte die Bierflaschen so öffnen das die Bierdeckel meterhoch in die Luft flogen, das waren dann unsere „fireworks, hehe“.
Wir hatten ja eigentlich gehofft, im Dorf selbst würde noch was los sein, aber der Bruder meinte nur „vor [oder wars IN?] zwei Wochen hatten wir hier das Feuerfest, aber sonst…“ Irgendwie gibt es in der arabischen Welt doch auch eine andere Zeitrechnung, den Mondkalender oder so glaub ich und nach dem war eben auch nicht Jahreswechsel. Nach dem Bierflaschenanstoßen und den Guten wünschen gings aber auch gleich völlig fertig ins Bett – auf dem Dach. Echt schön da oben, aber auch soooo kalt! Achso, noch ne Entschuldigung, warum so früh ins Bett: Am nächsten Morgen mussten wir den Bus um vier (!) kriegen.
Wieder in Tamale angekommen, zusammen mit den Accra-Freiwilligen übrigens, suchten wir uns diesmal ein super schön und gemütlich gelegenes Hotel und verschliefen erstmal den halben Tag, wobei ich schon früher wieder raus musste, um endlich mal die dringend nötige Wäsche in Angriff zu nehmen. Danach ging es noch in ein Kunstzentrum, wo es mal wieder geschnitzte, lederne und gefädelte Souvenirs gab und dann noch schön essen, ebendort. Achja, das Hotel hatte einen super Garten mit Jungle Bar und einem Baum, der so dicke herunterhängende Luftwurzeln hatte, dass man sich ohne Probleme dranhängen und daran schwingen konnte Mogli&Tarzan lassen grüßen.^^
Am nächsten Tag Abschied von den Accra-Freiwilligen und weiter nach Bimbilla, einer staubtrockenen, eingestaubten Stadt mit viel Staub, wir hatten nämlich beschlossen die Nordroute zu nehmen. Von Bimbilla aus ging es dann am darauffolgenden Tag wieder weiter in Richtung Ho, wo wir noch einen Freiwilligen besuchen wollten, den Anna kennt. Im Bus hatten wir leider einen nicht ganz so günstigen Platz ganz hinten erwischt, wo ich kaum Platz für meine Beine hatte. Außerdem ging die Fahrt dann auch sieben Stunden oder so über eine unglaublich schreckliche Sandpiste, die den Bus im Kameltempo vorankommen und ihn auch so schaukeln ließ und außerdem noch so viel Staub ins Innere des Busses pustete, dass ich mich nachher fragte, ob der Mann vor mir schon immer rote Haare gehabt hatte. Allerdings nahm dann auch seine Haut einen rot-schwarzen Ton an. Ich möchte nicht wissen, was wir da so alle eingeatmet haben.
So, bin müde. Also FORTSETZUNG FOLGT – Viel gibt’s nicht mehr zu erzählen, außer von Verhältnissen wie an der Nordsee im Herbst, und das in Ghana…
Ghanareise
Ghanareise
Hallo, hier ist mal wieder Jonas, zurück in Atakpamé. Die letzten drei Wochen bin ich mit ein paar Volontär-Freunden als Rucksacktourist durch Ghana getingelt und gerade froh wieder mal ganz entspannt in meinem Zimmer zu sitzen. Aber der Reihe nach.
Am Freitag, dem letzten Schultag für uns (wir haben uns nämlich zusätzlich zu den Schulferien noch ein wenig mehr frei genommen) gingen Caro und ich schwer bepackt mit Rucksäcken und Taschen zur Schule, um dann gleich von da aus loszureisen und nicht erst den Hügel wieder hoch und wieder runter zu müssen. Die Kinder waren begeistert, als sie uns so vollbepackt durchs Schultor kommen sahen.
Ich verabschiedete mich erstmal von Caro. Sie würde zwar auch nach Ghana reisen, die Granze aber weiter nördlich überqueren und dann mit anderen Freiwilligen zuerst in einen Nationalpark im Norden fahren und erst auf der Rücktour an die Küste. Meine Reisegruppe und ich planten eine ähnliche Route in entgegengesetzter Richtung zu nehmen. Unterwegs würden wir uns sicher begegnen.
Also gings für mich nach Lomé, wo ich die anderen drei aus Kpalimé – Anna, Fabia und Lukas – traf. Von dort ging es nach Ausreise aus Togo – Formular, Einreise in Ghana, Visumskontrolle – Formular, Richtung Accra. Unterwegs wurde der Bus nochmal angehalten und wir Nicht-Afrikaner mussten erneut die Visas überprüfen lassen.
Dann kamen wir in Accra an. Fabia musste allerdings vorerst noch in Lomé bleiben und auf ihr Visum warten, da die ghanaische Botschaft am Abreisetag dann doch zu hatte.
Auf der Suche nach dem nächsten Hotel, sprachen uns ein paar Leute auf Französisch an. Auf die Frage nach unserer Nationalität antwortete Lukas „togolais.“, was einiges an Heiterkeit auslöste, blas wie wir sind. J Leider wurde es schnell ernster, denn die Leute selbst waren aus der Elfenbeinküste geflohen und erzählten von vielen Toten in der Hauptstadt. Krass, wenn betroffene Leute von irgendwelchen Meldungen im Fernsehen plötzlich vor einem stehen.
Die Omletverkäuferin kam aus Togo und an diesem Abend war ich echt froh wieder Französisch zu hören, weil ich nach der Zeit in Togo grade noch nicht wieder so richtig im Englisch drin war. Vor allem das Verstehen machte noch Probleme, denn ghanaisches Englisch hat schon oft einen ziemlichen Slang. Ein gerne genutztes Wort ist zum Beispiel „disting“. Freiwillige aus Ghana erzählten uns später sie hätten sich immer gewundert, was denn das für ein seltsames Wort sei, das man scheinbar für alles benutzen kann, bis irgendjemand mal darauf kam, dass einfach „this thing“, also „das Ding“ gemeint ist. J
Am nächsten Tag planten wir erstmal, was wir uns in Accra so alles anschauen wollten und zogen in ein günstigeres und besseres Hotel um. Krass, wie europäisch Accra wirkt, selbst im Vergleich zu Lomé. Das liegt sicher auch an den vielen, vielen Autos, Motos wie in Togo sah man hier selten. Wir beschlossen, uns nach Monaten in Togo wirklich die volle Ladung Wohlstandsgesellschaft zu geben und fuhren in die riesige Accra-Mall, die ich sogar schonmal irgendwo in Erdkunde oder so in einem Video gesehen habe.
Krass! Gewienerte Böden, hell, viel zu kalte Klimaanlage, Bund, Glitzer, Wachpersonal. Wie bei uns. Heftig. Die Preise in Sportgeschäften und Markenjeansläden kamen mir nach der Gewöhnung an togoische Schneiderpreise unglaublich hoch vor, aber auch so hatte ich nicht sonderlich Lust in einen davon zu gehen, ist schließlich das Selbe wie in Berlin oder anderswo in solchen Zentren. Also ging es in ein Musikgeschäft, wo ich eine Reggaeplatte und einen witzigen Barak-Obama-Comic kaufte. Dann in den Supermarkt. Mmh, Joghurt. Echte Milch suchte man aber leider vergebens. Mitten da drin war sogar mal kurz Stromausfall: Zwei, drei Herzschläge lang war einfach mal komplette Dunkelheit. . . Aber dann, ZAPP gings wieder an, alle machten „ah“ und weiter gings.
Nach einer teuren und nur mäßigen Pizza ging es ins Kino, dem eigentlichen Grund unseres Kommens. Harry Potter Teil 7/I mit viel Herbstwäldern und Schnee. Das Kino war auch genau wie bei uns und als ich da raus kam wusste ich kurz nicht mehr, wo auf dem Globus ich eigentlich gerade bin…
Am nächsten Tag ging es ins Stadtviertel Osu, das ein echt cooles Flair hat. So mit viel Musik, bunten Autos und Häusern und den Palmen erinnert das echt voll an eine Stadt irgendwo auf einer Karibikinsel. Nach einem mal wieder leckeren FriedRice&Chicken, sozusagen das Fish&Chips von Ghana musste Lukas zum Flughafen, eine Freundin aus Deutschland abholen, die ihn besuchen und mit uns Reisen würde.
Neben unserem kleineren Guesthouse stand ein riesiges Hotel, bestimmt 40 m hoch und oben drauf schien eine Bar zu sein. Wir gingen einfach mal hoch, die Sicherheitsleute guckten zwar nicht grade nett, aber das gehört ja auch nicht unbedingt zu ihrem Job. Oben war dann auch echt eine Dachbar, nicht viel teurer als die im Guesthouse und dafür mit einem super Blick über Accras Lichtermeer. Wow, die Stadt ist echt riesig! Und dieser Ausblick… Echt cool!
Fabia abholen war noch angesagt, dafür mussten wir erstmal über einen chaotischen Markt laufen, sie finden und dann zurück zum Hotel. Wie voll die Stadt auf einmal war! Aus dem Marktgedränge kam man gar nicht mehr raus, weil in einem ganzen Stadteil Leute nur Richtung Markt oder wieder zurück strömten. Die Trotros, kleine Busse in Vangrößen, der ghanaische ÖPNV, waren heillos überfüllt und es gab ein übelstes Geschubse um da rein zu kommen. Die ganze Stadt schien an diesem Montag vor Weihnachten verrücktzuspielen. Alle wollten in die Stadt rein um wohl nochmal Weihnachtseinkäufe machen oder aus der Stad raus zu ihren Familien. Waren wir froh, als wir dann nach Taxifahrt durchs Gedränge endlich in unserem großen Reisebus saßen. Weiter ging‘s nach Cape Coast.
Cape Coast
Schon ein richtiger Touristenort. Aber auch echt schön. Von einem kleinen Fort der Briten auf einem Hügel hat man einen super Blick über die abendliche Stadt. Ein ziemlich witziger Guide zeigte uns von dort aus das Haus von Kofi Anans Mutter, das Haus wo Obama gewohnt hat, als er mit seiner Frau zu Besuch war (deren Vorfahren kommen wohl aus Ghana, so wie ich das verstanden habe), dann die erste Mädchenschule von Ghana und natürlich die Uni. Der Mann zählte interessanterweise vor allem Frauen auf, die erst die Mädchenschule besuchten, dann in der Uni waren und schließlich bis in recht hohe Positionen in der Politik gelangt sind. Eine Frau ist beispielsweise Parlamentspräsidentin, soweit ich weiß. In Ghana sieht man übrigens auch ab und an Frauen im Polizeidienst, etwas, dass ich in Togo bisher noch nie gesehen habe.
Besonders imposant natürlich: Cape Coast Castle. Genau wie im nahe gelegenen El Mina Castle hat man in den Innenhöfen dieser frühen Kolonialfestungen das Gefühl irgendwo in Europa zu sein, allerdings auf eine andere Art, als in Accra. Gebaut wurden sie von den Portugiesen, der ersten Kolonialmacht in der Gegend, dann von den Holländern erobert und nach weiteren Kämpfen und hunderten von Jahren gingen sie in den Besitz der Engländer über. In einer der Festungen gab es zwei Küchen, zwei Zisternen, die Holländer misstrauten den Portugiesen nämlich soweit, dass sie sich beides nochmal neu bauten, nachdem sie es erobert hatten, denn sie befürchteten die Portugiesen könnten sie vergiftet haben.
Die wichtigste Bestimmung neben der Machtsicherung war aber, das „Handelsgut“ der Kolonialmächte zu „lagern“. Sklaven. Und so war es wirklich. Die Sklaven wurden zu hunderten in lächerlich kleine Räume gesperrt, lebten und schliefen Monate lang in ihren eigenen Ausscheidungen und wurden bei Protest einfach eine Weile nicht mehr mit Nahrung versorgt. So wurden gleich die widerstandsfähigsten herausgefiltert, die diese Qualen aushalten konnten und zugleich wurden sie so schwach gehalten, dass sie auch als große Gruppe den Kerkermeistern aus Europa nicht gefährlich werden konnten. Groß war der Verlust ja nicht, schließlich war der ganze Kontinent voll potenzieller Sklaven. Die Ausscheidungen sind zum Teil noch als festgetrampelte Kruste zu erkennen und es riecht in den Kerkern auch so , als sei vieles in die Mauern eingezogen, was diese jetzt langsam wieder ausatmen…brrr.
Die Frauen wurden kaum anders behandelt als die Männer, nur gab es bei ihnen einen Hof, wo sie sich ab und an von einem extra Balkon vom Gouverneur besehen lassen mussten, der sich dann eine auswählte, die durch eine spezielle Luke direkt in sein Schlafzimmer geführt werden konnten – und wenig später wieder zurück.
Nach den Monaten in den Kerkern ging es durch die „Tür ohne Wiederkehr“ auf die Sklavenschiffe und mit denen dann unter ebenso schlimmen Bedingungen nach Amerika.
Unser Tourleiter sagte, er freue sich besonders über eine schwarze amerikanische Familie, die dabei war, denn diese würden sozusagen das „Versprechen“ der „Tür ohne Wiederkehr“ brechen. Sie kämen nämlich jetzt als freie Menschen zurück, dorthin wo vielleicht einige ihrer Vorfahren auf die Schiffe nach Amerika „verladen“ wurden.
Cape Coast und auch El Mina sind heute auch von den alten Schlössern aus sehr schön anzusehen, vor allem die vielen Fischerboote und wimmelnden Menschengruppen am Strand. Dazwischen Jungs, die Fußball spielen. Der Gouveneur übrigens hatte einen wunderschönen Meerblick durch eine große Fensterfront und wenn er wollte konnte er eine frische Meerbrise durch seine Räume wehen lassen…
In der Nähe von Cape Coast sahen wir uns noch den ein Regenwaldreservat an. Man lief dabei auf 30 bis 40 m hohen Hängebrücken über einem Teil des Urwalddaches, aber unter den Kronen der höchsten Bäume. Schöne Aussicht garantiert, ansonsten aber nicht so spannend wie es sich anhört. Cooler wäre sicherlich gewesen, im Park zu übernachten und dann die Nachtwanderung mit Stirnlampe durch den Wald zu machen… Aber erstmal ging es weiter und zwar über Weihnachten in die Green Turtle Lodge, ein Strandresort.
Green Turtle Lodge – Surfen, Sand, Schlürfen und Schildkröte
Diese Lodge liegt an der Atlantikküste Ghanas und zwar mitten im Nichts. Um dort hinzugelangen mussten wir in ein Trotro steigen das dort in der übelsten Pampa zwischen zwei kleinen Städten oder Dörfern pendelt und dann über eine krass schlechte Straße (für südghanaische Verhältnisse), um uns dann da raussetzen zu lassen.
Wow, das ein Urlaubsparadies. Strand, Palmen, starke aber nicht zu heftige Wellen, Cocktailbar, Zelte, kleine Touri-Strohhütten, Volleyballplatz. Also Zelt mit Meerblick bezogen, Badehose an und rinn da. Endlich mal wieder im Meer, super ey. Abends dann schön Cocktails mit den vielen anderen Freiwilligen aus Ghana, die auch da waren, geschlürft. Auch die übrigens fast alles Deutsche, bis auf zwei Schwedinnen und ne Finnin, nen Ami und einen aus der französischen Schweiz. Die Lodge wird übrigens von einem britischen Ehepaar geführt, das mit seinen Kindern auch da wohnt. Insgesamt fast nur weiße Gesichter, von den Angestellten mal abgesehen.
Der Weihnachtstag begann erstmal mit einem schönen deftigen English Breakfast, mit Wurst, Bohnen, Ei, allem drum und dran. Schon komisch am Weihnachtstag im Atlantik zu schwimmen, Strandfußball zu spielen und zu surfen, aber es gibt Schlimmeres.
Abends wollten wir dann in den Gottesdienst im nächsten Dorf gehen. Um dort hinzukommen mussten wir ne halbe Stunde am Strang lang spazieren und es war mal wieder ein richtig kleines und relativ armes Dorf.
An der Kirche angekommen, sagte man uns aber, dass der Gottesdienst leider erst viel später am Abend beginnen würde. Allerdings bot man uns an, die Kirche aufzuschließen (so eine eher kleine mit Wellblechdach, ich glaube eine methodistische Gemeinde wars), was wir nach kurzer Überlegung annahmen. Ich hatte nämlich das Gesangbuch von Oma dabei, die Leute gaben uns noch ne Petroleumlampe und ein kleiner improvisierter Godi konnte beginnen. Wir sangen einfach ein paar deutsche Weihnachtslieder und ich las die Weihnachtsgeschichte aus dem Gesangbuch vor, dann noch ein Gebet und fertig. Dabei guckten und hörten uns die ganze Zeit einige Kinder des Dorfes zu. Nach dem kleinen Godi gingen wir noch was essen, auf so ner Art kleinem Marktplatz verkaufte eine Frau gekochten Yams mit lecker scharfer Kokossauce und Fisch. Mann war das lecker. Und auch echt weihnachtlich, dort so unter nem Palmendach zu sitzen, ringsum die Öllämpchen von den Essensständen und ein paar Ziegen. Fast wie im Stall in Bethlehem vermute ich mal. Und da hat es schließlich auch nich geschneit oder war besonders kalt, oder?
Dach gings unterm Sternenhimmel zurück zur Lodge, wo uns noch ein schönes Schokofondue erwartete. Geschenke gabs zwar nicht, aber dafür noch mehr Cocktails und ein Haufen Knabberzeug am Strand.
Der erste Weihnachtsfeiertag war im wesentlichen auch Strandurlaub, abends noch ein Feuer großes Feuer am Strand. Ihrem Namen „Green Turtle“ – („Grüne Schildkröten“ – ) Lodge machte sie dann spät abends noch alle Ehre. Einer von den Schildkrötenbeschützern meinte, wir sollten mal mitkommen, da hinten sei ne Schildkröte. Klang cool, aber ich hätte nie gedacht, dass sie wirklich so eine große sein würde! Und dann war sie auch noch damit beschäftigt ihre Eier im Sand zu vergraben und ließ sich dabei auch gar nicht von den ganzen Menschen und den Blitzlichtern stören. Sie wurde noch vermessen, die Maße notiert und dann watschelte sie zurück ins Meer. Die lustigste Situation war, als die Finnin sagte: „Wow die Schildkröte hat einen kleinen Fisch geboren!“ Tatsächlich fanden wir einen noch lebenden Fisch neben ihr, von Beruf wahrscheinlich Panzerputzer.
Am nächsten Tag sollte es weitergehen, war auch gut jetzt mit chillen am Strand und Sand im Zelt und allem. Die Rechnung stand mir noch bevor…Puh, es summiert sich doch echt alles (bezahlt wurde nämlich hinterher) und dann ging es los Richtung Kumasi.
Kumasi
Der Markt von Kumasi. Ein riesengroßer Platz, zugebaut mit kleinen wellblechbedeckten Hütten und Verlaufsständen. Die selbst stehen so dicht an dicht, dass nur enge Gassen dazwischen freibleiben und sind von oben bis unten mit was auch immer vollgepackt. Stoffe, Töpfe, Halsketten, Plastikeimer, Schuhsohlen, einfach alles. Dann gabs breitere Wege an deren Rändern Räucherfisch, Fleisch, Gemüse und Gewürze verkauft wurden. Ein ständiger Menschenstrom zog durch das Hüttenlabyrinth, gar nicht so einfach da mal irgendwo stehen zu bleiben. In den Hütten der Stoffhändler war vor lauter Ware oft so wenig Platz, dass man sich nicht mal ohne weiteres umdrehen konnte. Außerdem waren die Händler echt gestresst, wenn man mal ne Weile hin und her überlegte, weil ja „auch noch andere gucken wollen!“ Insgesamt ein riesiges Aufgebot an Farben, Gerüchen, Geräuschen. Die reinste Reizüberflutung. Um eine solche zu erleben muss man allerdings nicht unbedingt nach Kumasi, so oder so ähnlich sind alle Märkte auf denen ich hier bis jetzt war, nur eben wenige so endlos groß. Übrigens gab es sogar Art Schnellstraße durch den Markt: Ein etwas erhöhtes, stillgelegtes Eisenbahngleis, auf dem das Marschtempo wesentlich höher war. Naja, nachdem ein Paar Stoffe und der Ausgang gefunden waren, war ich erleichtert. Auf Dauer stresst es echt. Ich frage mich, wie die Leute, die dort regelmäßig kaufen oder verkaufen das aushalten.
Am nächsten Tag waren wir dann noch in einem Ashanti-Museum, wo es unter anderem den Fernseher des Ashantikönigs zu bestaunen gab.
Und weiter gings Richtung Norden zum Mole-Nationalpark.
Mole-Nationalpark
Mittlerweile waren wir nur noch zu zweit, denn Lukas konnte nicht mit nach Norden kommen, weil er Jenny wieder rechtzeitig am Flughafen in Accra bringen musste. Fabia würde ab jetzt mit zwei anderen Freiwilligen vom ICJA aus Togo auf dem Soziussitz eines Motos mitreisen.
Also nur noch Anna und ich. Der Bus brachte uns erstmal nach Tamale, wo wir in einer ziemlichen Absteige schliefen (naja, immerhin günstig…) und Nebenan den leckersten Fried Rice &Chicken der ganzen Reise aßen. Um fünf waren wir am Busbahnhof, Ticket bekamen wir, der Bus war auch da, aber irgendwie wollten sie uns da nicht mitfahren lassen, wir sollten doch stattdessen den Bus um halb zwei nehmen. Letztendlich kam der dann nach um vier und bis dahin hatten wir unser ganzes Gepäck am Hacken. Naja mit ein paar Leidensgenossen (auch Freiwillige, auch Deutsche, aber aus Accra) ging die Zeit rum und weiter gings.
Wir stiegen allerdings schon in Larabanga aus, einem kleinen Dorf etwa eine halbe Fahrradstunde vor dem Nationalpark. Ein eher armes Dorf und auch nicht besonders groß. Dennoch wahrscheinlich das Größte in der Gegend. Bekannt ist es wohl durch seine Moschee, die älteste Westafrikas ist. Das Guesthouse war abenteuerlich, aber gut, in dieser Gegend konnte man was anderes als ein Lochklo nicht erwarten und die Baumstammleiter aufs Dach war cool. Dort oben konnte man nämlich auch übernachten, was zwar saukalt (ohne Mist, so friert man bei uns vielleicht im Spätherbst) aber trotzdem cool war.
Zum Park fuhren wir also in aller Früh durch die knochentrockene und zum Teil verbrannte Landschaft. Das sieht echt endzeitlich-gruselig aus so riesige mit verkohlten Bäumen und Ascheschicht bedeckte Flächen. Dazwischen waren schon die ersten Böcke zu sehen und die bekam man auch auf der dann bald folgenden Zufußsafari am häufigsten zu sehen. Aber auch Affen, viele Vögel und ein Krokodil, das aber auch ein treibender Baumstamm hätte sein können.
FORTSETZUNG FOLGT
Nächstes Mal: Geht’s um etwas Großes…
Nochmal Grüße vor der Abreise
Liebe Blogleser,
Morgen geht es also los. Meine erste Rucksackreise in Westafrika: Es geht nach Ghana. Dort bleibe ich ganze drei Wochen, habe also viel Zeit zum reisen. Leider könnte das auch bedeuten, dass ich mal wieder eine Weile nichts von mir hören lasse, denn wer weiß, ob vor lauter Reisen so oft Zeit zum schreiben ist. Analog schreiben werde ich allerdings: Nämlich in ein kleines Reisetagebuch. So kann ich euch dann schön berichten. Mit mir reisen noch drei Freiwillige und eine Freundin von einem der drei, die gerade zu Besuch ist.
Das 20. Weihnachten feiere ich also ohne meine Familie an der Atlantikküste… Na mal sehen wie das wird, aber ein wenig Sehnsucht nach Weihnachten zu Hause ist bei aller Reiselust dabei. Das Gesangbuch und die Kerzen hab ich jedenfalls eingepackt und die restlichen Adventskalenderteile auch. Zumindest in Togo ist Weihnachten aber eher eine große Party, als ein besinnliches Fest, wie ich höre, viel anders wird es in Ghana wohl auch nicht werden.
Den Jahreswechsel werde ich in der alten Ashanti-Hauptstadt Kumasi verbringen.
Ein frohes Fest und ein schönes Neues Jahr wünscht euch
Jonas
Genießt den Schnee!
P.S.
Rückflugdatu
Für alle, die mich ein bisschen vermissen: Mein Rückflugdatum steht fest! Es ist der 28.07.2011, früh am 29. komme ich dann an.































